Subsistenzwirtschaft

Subsistenzwirtschaft wird landläufig auch Bedarfswirtschaft genannt. Dies bedeutet, dass diese Wirtschaftsform vorwiegend im landwirtschaftlichen Bereich zu finden ist, da ihr Ziel auf die Selbstversorgung abzielt. Die Definition von Selbstversorgung lautet „Sicherstellung des Lebensunterhaltes einer kleinen Gemeinschaft bzw. einer Familie“. Auch die Erträge, die durch das Jagen oder Fischen erbracht werden, gehörten unter diesen Oberbegriff. Wird vom traditionellen Begriff der Subsistenzwirtschaft ausgegangen, wird kein Profitdenken zu finden sein. Ebenso fehlen alle Merkmale der Marktorientierung oder der stark ausgeprägten Arbeitsteilung. Jeder macht alle Arbeiten, die notwendig sind, um die Gemeinschaft, die Familie ausreichend zu versorgen.

Autark in jeder Hinsicht?

Von autarker Lebensweise würde man sprechen, wenn in jeder Hinsicht für den Lebensunterhalt eigenständig gesorgt wird. Doch gibt es heutzutage viele Dinge, die nicht autark herzustellen sind. Sie müssen auf dem freien Markt gekauft werden. Hierzu gehören unter anderem Werkzeug, Kochgeschirr und andere Maschinen, die das Leben mehr oder weniger erleichtern.

Auch heute noch gibt es Gemeinschaften, die sich dem subsistenziellen Lebensstil unterworfen haben. Hierzu gehören die Armisch-Gemeinden in den USA ebenso wie die Inuit in Alaska und diversen Nomaden- bzw. Halbnomadenstämmen  in Asien.

Bei einem Verkauf der gefertigten Waren von einem 25%igen Anteil wird immer noch von Subsistenzwirtschaft gesprochen. Mit diesem Geld werden Käufe und Anschaffungen der Dinge finanziert, die nicht eigenständig hergestellt werden können.

Insbesondere in den so genannten Entwicklungsländern finden wir noch viel Subsistenzwirtschaft vor. Doch auch in den Industrienationen nimmt die Zahl derer, die zumindest einen Teil ihrer Nahrungsmittel selber produzieren möchten und sich auch mit anderen handwerklichen Arbeiten eigenständig beschäftigen. Hierzu gehört das Stricken und Schneidern genauso wie das Heimwerken und das eigenständige Reparieren von Autos, Motorrädern und natürlich auch Fahrrädern, insoweit dies bei den modernen Fahrzeugen überhaupt noch ohne großen Aufwand möglich ist.

Die Unterschiede der Subsistenzwirtschaft in Entwicklungsländern und Industrieländern

Es besteht kein Zweifel darüber, dass die Versorgung mit Nahrungsmitteln in den Entwicklungsländern noch schwieriger wäre, würde es nicht die vielen Familien geben, die versuchen, sich zumindest mit den Grundnahrungsmitteln eigenständig zu versorgen. Zum einen wird die industriell ausgerichtete Landwirtschaft damit zumindest geringfügig entlastet. Das bedeutet, dass diese Nahrungsmittel in die Städte fließen können, um die Menschen dort zu versorgen. Und doch gibt es gerade in ländlichen Regionen dieser Länder eine Notwendigkeit, sich selber zu versorgen.

Wir dürfen nicht vergessen, dass die Infrastruktur in diesen Ländern nicht so gut ausgebaut ist wie in den Industrieländern. Somit ist es nicht in jedem Ort des Landes möglich, einfach einmal so in den Discounter zu gehen, um seinen Kühlschrank wieder zu füllen.

Für die Menschen in diesem Ländern ist es vollkommen normal, auf diese Weise für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. Sie bauen ihr eigenes Gemüse an, halten einige Tiere, meist Hühner, Schafe oder Ziegen, eher selten Kühe, häufig Schweine, und sorgen ganz selbstverständlich auch für Energiequellen zum Heizen. Es ist nicht selten, dass sie auch einen Teil der Kleidung eigenständig herstellen. Zu diesem Bereich gehören auch Accessoires wie Schmuck und ähnliches, auch Kopfbedeckungen aller Art.

Für die Menschen in diesen Regionen gehört es zum Überleben, aber auch zur traditionellen Lebensweise dazu. Durch das Subsistenzwirtschaften sind diese Familien / Gemeinschaften unabhängig und selbstbestimmt. Dies führt dazu, dass sie trotz ihrer Gesamtsituation stolz auf sich und ihre Lebensweise sein können.  Auch wird es in dieser „moralischen Wirtschaft“ bevorzugt, sich gegenseitig zu helfen. Ohne Wenn und Aber, ohne großartiges Hinterfragen. Es gehört einfach dazu! Dadurch wird die Gemeinschaft in diesen Regionen gestärkt. Ein Zusammenhalt, den man in den Industrieländern nicht zwangsläufig finden kann.

Einen Nachteil aber bringt die Subsistenzwirtschaft in den Entwicklungsländern mit sich: So positiv die Bedarfswirtschaft auch gewertet werden sollte, so ist es doch wichtig aufzuführen, dass gerade in den Entwicklungsländern und in Ländern mit einer starken Überbevölkerung die Bedarfswirtschaft die Menschen dennoch in relativer Armut hält.  Als zukunftssicher kann die Subsistenzwirtschaft in keiner Region der Welt bezeichnet werden.

Schaut man sich dieses Bild an, fragt man sich zurecht, warum die Bedarfswirtschaft in den Industriestaaten ein so starkes Come-Back feiern kann? Doch bevor wir uns diese anschauen, werfen wir einen Blick auf Semi-Subsistenz. Bei ihr wird sowohl für den eigenen Bedarf als auch den regionalen Verkauf produziert. Dies finden wir insbesondere in Süd- und Osteuropa. Es werden konkrete Auflagen vorgegeben, was die Größe des landwirtschaftlichen Betriebes wie auch die finanziellen Erträge anbelangt. Diese Form der Wirtschaft ist nur in Regionen möglich, in denen die landwirtschaftlichen Erträge mit einem akzeptablen, aber nicht übermäßigen Aufwand möglich sind.

In den Industriestaaten wie Deutschland ist die Subsistenzwirtschaft mehr ein Hobby als ein tatsächlicher Wirtschaftbereich. Sicherlich gibt es auch hier diverse Betriebe, die sich der Semi-Subsistenz unterworfen haben. Man kann beinahe sagen, dass immer mehr Betriebe mittels Hofladen oder Ständen auf den regionalen Wochenmärkten ihre Erträge direkt vermarkten wollen. Seltsamerweise gibt es diesbezüglich ein starkes Nord-Süd-Gefälle in Deutschland. Je südlicher man sich im Land befindet, desto mehr Betriebe der Semi-Subsistenzwirtschaft wird man finden können. Erklärbar ist dieses Phänomen auf logischer Basis nicht. Da die Nachfrage nach regionalen Produkten aber immer größer wird, werden diese Betriebe bestätigt und können sich sicher sein, stets ausreichend Kunden vorzufinden, die sich über die regionalen Produkte freuen. Nein, es müssen nicht zwangsläufig Nahrungsmittel sein. Auch Kleinkunst, Keramik und andere handwerklich hergestellte Produkte gehörten zu diesen Waren.

Die Bedarfswirtschaft als Hobby

In Zeiten, in denen immer mehr Menschen allergisch bzw. unverträglich auf verschiedene Nahrungsmittelzusätze reagieren, wird es für den Einzelnen immer wichtiger, wenigsten einen Teil seiner Lebensmittel eigenständig zu produzieren. So werden immer mehr Gärten, Balkone und Terrassen zu privaten Nutzgärten. Nein, man kann sie nicht als Wirtschaftsbetriebe im klassischen Sinne betrachten. Und doch tragen sie zu einer Entlastung der industriellen Landwirtschaft sowie zur Verbesserung der CO²-Bilanz des Landes bei. Genau genommen sollte man das Anlegen eines Nutzgartens für jeden Garten-, Balkon- und Terrassenbesitzer gesetzlich vorschreiben. Nicht weil es notwendig wäre. Aber es ist ein Hobby, das es zu fördern und zu erhalten gilt. Zudem hilft es, die einheimischen Vögel, Insekten und Reptilien auf angenehme Weise zu erhalten. Eine Notwendigkeit, vor der sich niemand verstecken sollte. Schon gar nicht hinter Schottergärten oder Designer-Gärten, in denen alles durchgeplant, für die Natur im klassischen Sinne aber nur wenig Platz ist.